Wie entsteht der Klang?



IMG_1973-filtered



Es gibt die Überzeugung, dass das Equipment nicht entscheidend sei.
Der Meinung bin ich in grossen Teilen auch, aber trotzdem fragen mich oft Schüler, junge Musiker oder interessierte Menschen, womit ich arbeite.
Daher schreib ich meine Erfahrungen hier einmal auf, damit jeder einen eigenen Schluss daraus ziehen kann.
Wie gesagt, entscheidend ist es nicht, aber es hilft vielleicht bei einer Orientierung.

Tenor:
Selmer Reference 54 in Goldlack
Mundstück: Vandoren V 16 Metall T 55
Blätter: La Voz Medium Soft oder Vandoren Jazz 2,5

Alt:
Yamaha Custom EX 875 Goldlack
Mundstück: Meyer Kautschuk 6
Blätter: La Voz Medium Soft/Soft oder Vandoren Jazz 2 - 2,5

Sopran:
Selmer Serie 3 Goldlack
Mundstück: Selmer S 80 „F“
Blätter: Vandoren Jazz 2

Ganz generell ist meine Erfahrung, dass es überhaupt keinen Sinn hat, extremes, grossartig neues, oder sonst wie noch nie da gewesenes Equipment einzusetzen, in der Hoffnung, nun geht alles besser.
Im Saxophon- und Mundstückbau ist das Rad im Prinzip leider bereits erfunden.
Die Zeit kann man sich getrost sparen und in‘s Üben stecken.
Oder in andere sinnvolle Tätigkeiten, die einem Freude machen und damit auch zum „guten Ton“ beitragen.

Z.B. ist das Vandoren Tenormundstück letztlich ein leicht verändertes Otto Link, das einen Standard bei den Tenormundstücken darstellt.
Und zwar mit einem guten Verhältnis zwischen Bahnlänge ( etwas mehr als mittellang) einer mittelgrossen Öffnung ( etwa O.Link 7 ) und einer grösseren, aber nicht allzu großen Kammer.
Die Verarbeitung der Vandoren Metallmundstücke ist tadellos, im Gegensatz zu manchem Otto Link „von der Stange“.

Bei den Mundstücken kommt es nämlich nach meiner Erfahrung entscheidend darauf an, dass diese 3 Parameter ( Bahnöffnung, Bahnlänge und Kammergrösse ) in einem gesunden Verhältnis stehen, sonst verliert man schnell die Kontrolle.

Dann muss noch der Schnitt des Blatt mit der Bahnlänge harmonieren ( in meinem Fall sollte das ein Blatt mit stärkerem Herz sein, wegen der etwas längeren Bahnlänge ) und eher nicht zu hart ( wegen der mitteloffenen Bahnöffnung ).

Beide Blätter ( Vandoren Jazz und La Voz ) haben relativ starke Herzen, die ich dann lieber eine halbe Stärke leichter wähle, was sich auf die Blattspitze auswirkt.
Das ergibt eine leichte Ansprache mit trotzdem relativ „kernigem“ Sound und kontrollierbarer Intonation, da das Verhältnis Bahnlänge - Blattherz stimmt.

Das Equipment bei Alt und Sopran ist ähnlich unspektakulär, richtet sich aber nach den generellen Massgaben, die ich hier für das Tenor einmal ausgeführt habe.

Und wichtig ist weiterhin, dass alles ohne große Anstrengung von statten gehen muss.
Im Arbeitsalltag muss man oft viele Stunden am Stück spielen, ohne dass einem die Unterlippe auf dem Fussboden hängt.
Extremes Equipment stört da nur.

Und der Ton entsteht im Kopf, im Körper und im Herzen.